IMAGO collection, since 2019

Vor einiger Zeit begann sich in meiner Küche eine kleine grüne Raupe zu verpuppen. Diesen Prozess zu beobachten war faszinierend und im Laufe von vielen Stunden entstand eine dichte, opak-weiße Hülle, die mit dünnen Fäden an ihrer Umgebung befestigt war. Beim Staubsaugen stieß ich mehrere Male unabsichtlich an der kleinen Behausung an und stellte fest, dass keinerlei Schaden entstanden war. Die Hülle war fest und stabil.

Meine Idee war, mit dem geschlossenen Kokon zu arbeiten und die Puppe darin zu belassen, hier stieß ich aber schnell an den Punkt, dass die ovale Form zu wenig Möglichkeiten für die Art von Gestaltung bieten würde, die mich interessiert. Nachdem die Kokons, die ich schließlich gefunden hatte, noch nicht de–gummiert sind, also den Proteinkleber noch in sich tragen, entstand die Idee, diese unglaublich stabile Hülle zu dekonstruieren.

Mich interessiert im Zusammenhang mit dem Begriff „Imago“ eine Ausdrucksform im Schmuck zu finden, die den Entstehungsprozess dieses unbewussten Bildes einer Person einerseits zum Thema hat, andererseits mögliche Varianten dieses psychischen Vorganges beschreibt. Oft sind Imagines eines Menschen fest geprägt und man hält während des restlichen Lebens relativ unverändert daran fest. Die Idee, einen Kokon, der in der Ursprungsform fest ausgebildet ist, zu verändern – auf weiche Weise mit Wasser, aber auch mit der härteren Methode des Zerschneidens und Erhitzens, ist am fertigen Schmuckstück nicht wirklich erkennbar. Es hat sich eine neue Form gebildet, die scheinbar immer schon so war und der die ursprüngliche natürliche Gestalt nicht anzusehen ist.
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Some time ago a small green caterpillar started to pupate in my kitchen. Watching this process was fascinating and in the course of many hours a dense, opaque white shell emerged, which was attached to its surroundings with thin threads. While vacuuming, I accidentally bumped into the small dwelling several times and found that no damage had been done. The shell was solid and stable.

My idea was to work with the closed cocoon and leave the doll inside, but here I quickly came to the point that the oval shape would offer too few possibilities for the kind of design that interested me. Since the cocoons I finally found were not yet de-gummed, i.e. still carried the protein glue inside, the idea was born to deconstruct this incredibly stable shell.

In connection with the term "Imago”, I wanted to a form of expression in jewelry that on the one hand deals with the process of creation of an unconscious image of a person, and on the other hand describes possible variants of this thought process. Often a person's “Imagos” are firmly imprinted and one holds on to them nearly unchanged for the rest of life. The idea of changing a cocoon, which is firmly formed in its original form - in a soft way with water, but also with the harder method of cutting and heating, is not really recognizable in the finished piece of jewelry.
A new form has emerged, which seems to have always been so, and which cannot be seen in its original natural form.